Wir haben fertig!
Die alternative liste hat sich
aufgelöst und ist nun nicht mehr. Einige werden dies sicher bedauern.
Andere wiederum werden es bejubeln. Den meisten wird es wohl egal
sein. Dennoch wollen wir hier einen Eindruck der Endzeit der al
wiedergeben. Es haben sicher viele Faktoren eine Rolle beim Niedergang
der al gespielt. Zum Beispiel ein Generationenwechsel, der dazu
geführt hat, dass viele Kontakte zu Fachschaftsräten und studentischen
Initiativen, die über lange Zeit ein wichtiges Standbein der al waren,
eingeschlafen sind. Oder die Tatsache, dass die al sich totregiert
hat, da wir immer wieder einen Grund gefunden haben ein weiteres Jahr
den AStA mitzutragen, anstatt uns ein Jahr Auszeit in der Opposition
zu gönnen, um uns mit unseren internen Problemen zu befassen und neue
Kräfte zu sammeln. Ein weiterer Grund waren sicher die immer weiter
auseinanderdriftenden Meinungen innerhalb der al bezüglich
verschiedener Themen, die eine Konsensfindung zunehmend schwieriger
machten, was wiederum zu Frustration führte, die Inaktivität zur Folge
hatte - was wiederum die Fähigkeit der al, sich gegen Druck und
Angriffe von außen zu wehren reduziert hat, was wiederum zu mehr
Frustration führte... Und so weiter - bis es endlich zur Auflösung
kam.
Doch was geschieht nun? Sicher, die al existiert nicht mehr - doch das
bedeutet nicht, dass sich alle aktiven Menschen aus der al endgültig
von der Hochschulpolitik verabschieden. Ob nun in neuen Listen, in
bereits bestehenden Listen oder in außerparlamentarischen Gruppen
werden die ehemaligen Mitglieder der al weiter in der Hochschulpolitik
an der RUB und darüber hinaus mitmischen. Doch eines sollte nicht
vergessen werden; Wenn sich aus den Trümmern der al neue Listen
bilden, werden diese keineswegs der gleiche Inhalt in einer anderen
Verpackung sein. Während wir zwar hoffen, dass solche Listen die
besten Aspekte der al übernehmen, so werden sie jedoch nicht an die
gleichen Traditionen, alten Vereinbarungen und unausgesprochenen
Verträge gebunden sein, die die al behindert haben, und sich in der
hochschulpolitischen Landschaft der RUB neu orientieren.
Don't cry because it's over. Smile because it happened.
eure al
Die Zeckensaison ist vorbei!
Ebenso wie der konkrete Vorgang unserer Auflösung sind intern auch die Ursachen umstritten, wie einer Vielfalt von Nachrufen zu entnehmen ist. Die Begründungen reichen von Kommunikationsproblemen bis hin zu kosmischen Theorien. Unser Motto "Es gibt immer eine Alternative" setzt sich so auch posthum fort. Sucht Euch einfach die offizielle Auflösungserklärung raus, die Euch am besten gefällt. Fans und KritikerInnen kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten.
Divers sind auch die Wege politischer Arbeit, welche die KandidatInnen nun fortsetzen werden und decken auch weiterhin alle Bereiche hochschulpolitischer und/oder emanzipatorischer Arbeit ab. So wirkt die ehemalige al auch langfristig in gesellschaftliche Prozesse hinein.
Und genau das ist der Punkt: Wir müssen dieses Ende als Chance begreifen. "Irgendwie riecht der Campus jetzt besser", stellen Studierende überrascht fest. Auch anderswo herrscht eher positive Stimmung. Aus dem Rektorat seien feierliche Geräusche vernommen worden. "Die Zecken sind weg!", freut sich ein Burschenschaftler und stößt mit seinem Kameraden an.
Nichts ist umsonst gewesen - so beruhigen wir uns zumindest selbst. Diese Auflösung hat uns von vielen Problemen entlastet - und auch viele dieser Probleme von uns.
Insgesamt war es ein Ende, dass sich schon länger anbahnte und dann doch ganz plötzlich kam. Und so blicken wir nun auf 12 Jahre hochschulpolitisches Erbe zurück. Auf Zeiten, in denen wir beste Verbindungen zu den Fachschaftsräten pflegten, Zeiten in denen wir der politische Mainstream waren, sowie auf Zeiten in der Opposition. Diese Zeiten sind nun vorbei, aber eine letzte Erinnerungsveranstaltung lassen wir uns nicht nehmen und ihr seid alle eingeladen. Näheres wird bald bekannt gegeben.
eure al
die al ist tot, es lebe die al!
eure al
12 Jahre sind genug - die alternative liste an der RUB löst sich auf
Die Gründe dafür sind vielfältig: Keine politische Basis; Kommunikationsschwierigkeiten; keine Möglichkeiten mehr, Konsensentscheidungen zu treffen; die Fokussierung auf den AStA, innerhalb dessen mensch sich nicht mal mehr über eine gemeinsame Arbeitsweise einig geworden ist; die AStA-Strukturen und ‑Politiken selbst sowie der externe Druck. Das alles führte zu Ohnmachtsgefühlen, Frustrationen und Streitigkeiten, bei denen Einzelne hängen und allein gelassen worden sind und die Probleme nicht mehr gelöst werden konnten. Daher entschieden sich die Aktiven, dass ein Ende mit Schrecken besser wäre als ein Schrecken ohne Ende.
Doch keine Sorge - die (hochschul-)politische Landschaft wird jetzt keineswegs ohne alternative politische Positionen auskommen müssen. Nach der Destruktion kommt ja die Konstruktion - Mensch darf gespannt sein, was in der nächsten Zeit noch so alles passieren wird. Bis dahin muss eine Neuordnung begonnen werden - ob manche eine neue Liste aufmachen, andere mehr auf die außerparlamentarischen Basisgruppen setzen oder sich in der momentanen hochschulpolitischen Landschaft umgeschaut wird. Fest steht, dass es basisdemokratische Strukturen und den Anspruch, nicht andere zu vertreten, sondern jede_n für sich selbst sprechen lassen zu wollen auch weiterhin an der RUB geben wird, egal ob nun im StuPa oder im Betonuntergrund. Denn es gibt noch genug zu tun - Masterplätze, Bologna-Reform, Campussanierung, Antimilitarismus, Kultur, Organisation der Selbstverwaltung, Datenschutz, Antisexismus, Antikapitalismus, die Soziale Revolution... Also Ärmel hochgekrempelt, aufrappeln und Lösungen finden. Jede_r von Euch kann das tun.
eure al
Den Untergang als Chance begreifen!
Unsere unumstößliche Entscheidung ist vor allem den zunehmend
eingeengten Spielräumen innerhalb einer immer weniger basisdemokratisch
gelenkten und immer maßloseren Klientelinteressen unterworfenen
Verfassten Studierendenschaft geschuldet. Nicht zuletzt hat der
steigende Druck von außen in nicht unerheblichem Maße auch zu einem
Anwachsen innerer Spannungen im Kreise der al beigetragen, deren
Entladung nun mit aller Macht zur Implosion führt: Die alternative liste
wird am heutigen Tage von einer exorbitanten Druckwelle hinweggefegt und
für alle Zeit ausgelöscht sein. Doch wir hoffen, dass dies nicht alles
ist, was von uns bleibt: Möge die Wucht der Explosion so heftig sein,
dass nicht nur große Teile des verkrusteten listenpolitischen Klüngels
auf diesem Campus hinfortgerissen, sondern auch die zu Beton erstarrten
lebensfeindlichen Verhältnisse an dieser Universität selbst für alle
Zukunft Geschichte gemacht werden!
Wir selbst jedenfalls werden als Sieger_innen aus dieser Listenimplosion
hervorgehen und keinesfalls im Vakuum des universalen politischen
Partikelgestöbers verschwinden, sondern in den Betonuntergrund anderer
linker Betätigungsfelder abtauchen und vielleicht werden einige von uns
mit einem gewaltigen Schlag zurückkehren, sollte sich die Lage merklich verschlimmern.
They will not control us -
We will be victorious!
eure al