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European Education Congress 2010
Bochum, Sommer 2009: Der Bundesweite Bildungsstreik läuft auch im Ruhrgebiet auf Hochtouren. Campusbesetzungen, Straßenblockaden, Schulbefreiungsdemos - einfach alles scheint zu gelingen in dieser Woche. Neue Ideen und Theorien kommen auf. Doch Zeit, eine wirklich grundlegende Kritik am Bildungssystem, oder auch darüber hinaus, auszuarbeiten, bleibt bei all der Action leider oft nicht. Außerdem: die anderen Länder in und teilweise auch außerhalb Europas protestieren genauso wie wir. Aber Kontakte dorthin gibt es nur wenige - und wie genau sehen deren Bildungssysteme eigentlich aus?
Bochum, Siegen und Potsdam, Herbst 2009: Die Idee, sich gemeinsam mit den anderen Bildungsstreikenden einmal verstärkt der Theorie zu widmen, hat ihre ersten Kreise gezogen. Der Bochumer Bildungschancen e.V. und die Geschäftsführung des ABS arbeiten gemeinsam am Konzept für einen größer angelegten Bildungskongress. Die Idee wird schnell konkreter, als uns eine Förderlinie der EU auffällt - durch das Programm "Jugend in Aktion" steht eine fünfstellige Fördersumme in Aussicht. Zahlreiche ASten sowie die DGB Jugend erklären sich ebenfalls zu einer Teilfinanzierung bereit. Bald sind zwei französische Partnerorganisationen, Etudiantes pour une Societe Durable und Etudiantes pour un Europe de l’Education, gefunden, die den Bildungskongress unterstützen möchten - wir beginnen international zu mobilisieren. Der European Educationcongress 2010 ist geboren.
Paris, Winter 2010: Die EU hat ihre Unterstützung zugesagt. Eine etwa 30köpfige Gruppe mit Teilnehmer_innen aus Frankreich, Deutschland, Dänemark, Spanien, den Niederlanden, Österreich und Großbritannien trifft sich an der Universite de la Sorbonne, um in die detaillierten Vorbereitungen einzusteigen. Als endgültiger Termin für den European Educationcongress wird die Woche nach Pfingsten, vom 25. bis zum 30. Mai, festgelegt. Veranstaltungsort: der Campus der Ruhr-Uni Bochum.
Fast überall in Europa, jetzt: Der European Educationcongress 2010 verspricht, ein voller Erfolg zu werden. Die Idee des Kongresses ist nach Skandinavien und Italien, nach Portugal und Griechenland gedrungen. Über eine gemeinsam genutzte Mailingliste, regelmäßige Skype- und Telefonkonferenzen sowie die offiziellen Vorbereitungstreffen, von denen das nächste am 17. und 18. April in Barcelona stattfindet, koordinieren die Beteiligten die Organisation. Neben allen Angelegenheiten, die die Infrastruktur betreffen, steht derzeit vor allem die Frage nach den konkreten Inhalten und Methoden im Mittelpunkt: "Wir sind uns einig, dass der Kongress möglichst offen sein soll", berichtet Martin Ströhmeier, Finanzvorstand des Bochumer Bildungschancen e.V.. "Frontalvorträge und ähnliches soll es, wenn überhaupt, nur in Form möglichst kurz gehaltener Inputs geben und nur mit anschließender Diskussion." Vor allem werden deshalb regelmäßige OpenSpace-Phasen, in denen sich die Teilnehmenden frei zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen bewegen und die Themen jederzeit geändert werden können, eingeplant. Außerdem stehe es allen Teilnehmer_innen frei, neben den regulären Workshops eigene Diskussionsgruppen zu gründen oder auch spontan selbst etwas zum Programm beizutragen. Es gehe ausdrücklich darum, eigenständig Gedanken zu entwickeln, so Martin Ströhmeier weiter. Ziel der Organisator_innen sei es, für eine Woche einen Raum zu schaffen, in dem das bestehende System kritisiert und über Alternativen dazu gesprochen wird. Die Einladung zum Kongress gilt für alle Menschen, die auf der Suche nach neuen Gedanken sind oder alte zur Diskussion stellen wollen, die an kritischer Hinterfragung auch der eigenen Motive interessiert sind und sich zugleich eine Plattform für Vernetzung und alle dazugehörigen Synergieeffekte wünschen. Dadurch, dass eine aktive Mitgestaltung seitens der Teilnehmer_innen ausdrücklich erwünscht ist und sowohl im Vorfeld als auch während des Kongresses Themenwünsche geäußert werden können und sollen, ist auch das Ergebnis des Projektes offen. Auch wenn die Organisation des Kongresses damit natürlich vor großen Herausforderungen steht. Ursprünglich wurde mit rund 200 Teilnehmer_innen kalkuliert, inzwischen hat sich abgezeichnet, dass es weit mehr werden könnten - bei internationaler Beteiligung. "Das kann nicht nur für die Struktur des Programms, sondern auch für die Organisation von Übersetzungen manchmal schwierig werden", erklärt Martin Ströhmeier. Das Orgateam kommuniziere hauptsächlich auf Englisch, aber "wir können nicht voraussetzen, dass alle Teilnehmer_innen gut genug Englisch sprechen, um politische Diskussionen zu führen. Für die Workshops brauchen wir auf jeden Fall Dolmetscher_innen." Gerade in diesem Bereich werden deshalb immer wieder Menschen gesucht, die sich am Kongress über eine Teilnahme hinaus beteiligen möchten. Auch Teams, die die Homepage weiter übersetzen können - bisher sind Informationen lediglich auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch abrufbar - sind gefragt. Zur Strukturierung des Inhaltlichen kommen die Fragen nach dem Freizeitprogramm des Kongresses und natürlich nach den kulinarischen Genüssen. Für letztere sorgen Food not Bombs Bochum, die seit Jahren in der linken Szene der Pottstadt kochen. Für die Versorgung einer so großen Veranstaltung wird allerdings auch hier eine Kooperation mit weiteren (Koch-)Initiativen gesucht.
Und die finanzielle Seite? Der European Educationcongress 2010 verfügt über ein Budget von knapp 45.000 Euro. Was sich zunächst nach einem großen Batzen Geld anhört, ist vor dem Hintergrund, dass für Teilnehmer_innen aus ganz Europa die Anreise zum Kongress, die Verpflegung und die Unterkunft bezahlt werden soll, gar nicht so viel. Das Team hat sich deshalb entschieden, einen Teilnehmendenbeitrag zu erheben, um die Kosten möglichst gerecht verteilen zu können. Grundsätzlich soll die Teilnahme 15 Euro kosten, wobei 5 Euro als ermäßigt und 25 bis 30 für alle, die sich auch einen höheren Preis leisten können, angesetzt sind. "Anders ist die Finanzierung eines derart großen Projektes einfach nicht zu bewältigen", heißt es dazu aus dem Vorstand des Trägervereins.





