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Infodienst 02

Themen: Gender_Gap, Europakongress, Anwesenheitspflicht

Gender Diskussion an der RUB

Der Gender-Diskurs an der RUB zeigte zuletzt durch die Vortragsreihe „Geschlecht und Gesellschaft“ erfrischend alternative Denkansätze auf. Doch immer noch bleibt das Gefühl übrig, mit diesen Diskussionen nicht in der Mitte der Studierendenschaft angekommen zu sein.

Sind viele Studierende vom ganzen Gender-Gequatsche genervt oder schlichtweg diskussionsmüde? Weiß jetzt eigentlich irgendjemand, was queer¹ bedeutet? Das heteronormative Denken, welches auf dem binär funktionierenden System Mann-Frau fußt, ist Diskussionsgrundlage, um sozial konstruierte Geschlechterrollen zu hinterfragen. Die Anzahl von Menschen, die nicht in binären Kategorien denken oder konstruiert werden wollen, der angeblich existenten sexuellen Norm nicht entsprechen oder das bestehende patriarchalische System dekonstruieren oder hinterfragen wollen, steigt auch an unserer „alma mater“. In angeblich aufgeklärten Zeiten, wo in Biologiebüchern die Heterosexualität als „normal“ verkauft wird, sollte gerade in studentischen Kontexten versucht werden, Projekte zu realisieren, die nicht im üblichen heteronormativen Rahmen stattfinden.

Die al will sich hinsichtlich dieser Problematiken im nächsten AStA-Jahr für die Verwendung der „Gender_Gap“ einsetzen (wie bei Sänger_innen). Weitgehende Verbreitung in studentischen Medien wie der bsz oder in AStA-Publikationen fand bis jetzt lediglich das Binnen-I (wie in AkademikerInnen), welches jedoch weiterhin die Binarität Frau-Mann bestätigt und daher keine optimale Lösung für das Ausgangsproblem bietet. Der Unterstrich im ersten Beispiel bietet eine orthographische Möglichkeit, auch andere anatomische oder soziale Geschlechter(-rollen) in das Nomen zu integrieren. Sicherlich werden dadurch nicht alle Probleme gelöst, da zum einen teilweise die männliche Form gekürzt wird (wie in Student_innen) oder einige Komposita grammatisch markiert wirken (wie in Bürgermeister_innenkandidat_innen). Wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass der Diskurs zur eigenen sexuellen Identität viele Schnittstellen mit unterschiedlichsten Teilbereichen des akademischen Lebens aufweist, nicht zuletzt bedingt durch das inter- bzw. transdisziplinäre Selbstverständnis der Gender Studies und der Queer Theory. Wir wollen da sein für einen Freiraum an der Universität, an der heternonormative Machtstrukturen analysiert und dekonstruiert werden können.

¹ bezeichnet als Adjektiv Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen (vgl. wikipedia)

Bildungsstreik europaweit

Nicht nur der Bildungsstreik hat gezeigt: Es wird höchste Zeit, dass sich das Bildungssystem zum Besseren verändert! Wie genau dies aussehen könnte möchten wir auf einem Bildungskongress im Juni 2010 gemeinsam diskutieren.

Dies muss allerdings in einem ausreichenden Umfang geschehen, denn spätestens seit Bologna sprechen wir in der Hochschulpolitik über einen europäischen Rahmen, und auch in der Schulpolitik lassen sich europaweit immer mehr Angleichungstendenzen feststellen. Deshalb wollen wir zunächst eine Woche nutzen, um gemeinsam einen theoretisch fundierten Blick auf die Bildung, das Bildungssystem und Wege aus dieser Bildungsmisere zu finden. Dabei geht es darum die aktuellen Zustände zu erkennen und einzuordnen und Erfahrungen aus anderen Ländern auszutauschen. Wir wollen gemeinsam Verbesserungsvorschläge und Alternativen entwickeln und Maßnahmen zu deren Umsetzung erarbeiten. Der Kongress soll einen europaweiten Austausch zum Zusammenhang zwischen Bildung und Gesellschaft ermöglichen. In diesem Rahmen wollen wir uns mit gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen befassen. Dies soll in verschienden Organisationsformen, wie z.B. Workshops, Podiumsdiskussionen, Vorträgen und vor allem praktischem Erleben stattfinden.

Deshalb wird vom 1.-6. Juni 2010 der Kongress an der RUB stattfinden. Bereits jetzt haben viele Asten und Studierendenvertretungen anderer europäischer Hochschulen die Organisation und Planung unterstützt, ebenso wie der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS), das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) und die DGB Jugend. Hiermit laden wir euch alle ein, auf dem Kongress gemeinsam zu diskutieren und zu überlegen, was gute Bildung ist, was die Anforderungen an ein gerechtes Bildungssystem sind und wie wir diese erreichen können!

Selbstbestimmung statt Sitzfleisch

Dass die alternative liste sich gegen Anwesenheitslisten einsetzt, ist nicht neu. Dass wir dabei ausgerechnet von einer Univerwaltung Rückenwind bekommen, dagegen schon. Das Justiziariat der Uni Duisburg/Essen hat ein jüngst ein Gutachten erstellt, in dem erklärt wird, dass "nach geltender Gesetzeslage in Vorlesungen und Seminaren keine Anwesenheitspflicht" besteht.

Wir haben dieses Gutachten natürlich sofort dem Rektorat der RUB zur Verfügung gestellt; bis jetzt gab es leider noch keine Reaktion darauf. Trotzdem werden wir weiter darauf hinwirken, dass die Anwesenheitspflicht abgeschafft wird.

Die Anwesenheitspflicht ist mittlerweile leider in vielen Vorlesungen und Seminaren ganz normal. Das führt nicht nur dazu, dass die Eigenverantwortung im Studium beschnitten wird, es bringt auch Schwierigkeiten im Alltag mit sich: Wieviele Jobs gibt es schon, die man neben mindestens zwanzig Semesterwochenstunden noch bewältigen kann? Doch Geld wird dank Studiengebühren immer mehr gebraucht. Durch die Anwesenheitspflicht fällt auch die stille Kritik unzufriedener Studierender weg. Wir sind nicht frei, Seminare, die uns nicht weiterbringen, nicht oder nur selten zu besuchen. Das Studium ist keine Zeit des kreativen, selbstbestimmten Lernens mehr, wenn uns nicht einmal die Entscheidung, ob wir ein Buch selbst lesen oder uns dessen Inhalt in der Vorlesung anhören wollen, überlassen wird. Statt dessen gilt wie in der Schule: wer schwänzt, muss nachsitzen. Im schlimmsten Fall ein ganzes, teures Semester lang.

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Infodienst Nr. 2

Listentreffen

Die alternative liste trifft sich momentan dienstags um 18.00 Uhr im AStA-Flur, um danach in eine passende Räumlichkeit zu wechseln.

Wir freuen uns, wenn ihr vorbei kommt!

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