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Kein Grund zur Panik in MA
Hochspannende News für alle MedizinstudentInnen: Wie gestaltet sich der mündlichpraktische Teil der Prüfungen? Welche Fächerkombis gibt es? Wie viele Fragen werden erwartet, und wie werden sie gestaltet? Wie werden die fallorientierten Fragen im Examen aussehen?
Seit dem Beginn des Wintersemesters 2003/04 gilt für alle neu eingeschriebenen Medizinstudierenden die neue Approbationsordnung (ÄAppO) - und nicht nur für die, sondern auch für ganze Jahrgänge von Studierenden, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Studium befanden. Auch wenn es unter den Studierenden noch oft zu Verwirrungen kommt, wer denn jetzt wann unter welchen Bedingungen studiert, ist den meisten klar, ob sie noch nach den alten Bedingungen zu Ende studieren oder ob sie ihre Examina schon nach den neuen Bedingungen schreiben müssen. Die Zahl der staatlichen Prüfungen reduziert sich nach der neuen ÄAppO von vier (Ärztliche Vorprüfung, erstes, zweites und drittes Staatsexamen) auf nur noch zwei (1. und 2. Staatsexamen). Das neue 1. Staatsexamen (M1) löst die alte ärztliche Vorprüfung (sprich: das Physikum) ab; das neue 2. Staatsexamen (M2) wird - anders als bisher - nach dem PJ geschrieben. Die Gesamtnote errechnet sich (wenn beide Prüfungen nach der neuen ÄAppO absolviert werden) zu einem Drittel aus dem ersten, zu zwei Dritteln aus dem zweiten Staatsexamen. Dabei bleiben die Methoden zur Berechnung von Bestehens- und Notengrenzen unverändert.
Vorklinik: Tschüs, Physikum. Hallo, erstes Staatsexamen.
Beim zukünftigen ersten Staatsexamen, welches erstmals im August 2005 durchgeführt wird, bleiben die Änderungen (im Vergleich zum alten Physikum) insgesamt sehr überschaubar. "Der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung ist weitgehend der bisherigen ärztlichen Prüfung angepasst", so das IMPP. Die Anzahl der Fragen insgesamt und pro Fach hat sich in der neuen ÄAppO nicht geändert, und so gilt auch der bisherige Gegenstandskatalog GK1 in der Fassung vom Januar 2001 weiterhin für die neue Prüfung. Das zu prüfende Wissen ändert sich damit also nicht; Änderungen gibt es allerdings bei der Art der Fragestellung des neuen 1. Staatsexamens. Die neue Fassung der ÄAppO sieht hier vor, dass die Prüfungsfragen "problemorientiert, fächerintegrierend und mit einem Bezug zur klinischen Ausbildung" zu versehen seien. Daher wird man in Zukunft wohl weniger Fragen des Typs "Welche Aussage zu xyz trifft nicht zu?" in den Examina finden. Ersetzt werden diese dann durch Fragen, die an einem Problem orientiert sind und dessen Lösung fächerübergreifendes Wissen erfordert. Beispielsweise kann dies so aussehen, dass eine kurze Patientenanamnese der Frage vorangestellt wird. Die Beantwortung der Frage kann dann dabei zum Beispiel Wissen in Anatomie, Physiologie und Biochemie gleichzeitig voraussetzen. Aber auch diese Art der Fragestellung ist nicht neu, und die Tendenz zur Bevorzugung solcher Fragen zeichnete sich bereits im Laufe der letzten ärztlichen Vorprüfungen ab. Die neue ÄAppO fordert in Anlage zehn einen stärkeren Bezug der Fragen zu klinischen Inhalten mit Formulierungen wie "insbesondere sind die naturwissenschaftlichen Fächer auf die medizinisch relevanten Inhalte auszurichten". Wie auch das Physikum wird das neue 1. Staatsexamen schriftlich an zwei Tagen mit je 160 Fragen und vier Stunden Prüfungsdauer pro Tag stattfinden. Der mündliche Teil der Prüfung heißt in der neuen ÄAppO "mündlichpraktischer Teil". Es wird gefordert, dass vor der Prüfung praktische Aufgaben zu stellen sind, deren Lösung während der Prüfung mündlich oder schriftlich darzulegen sind. Neu ist auch die von vornherein feststehende Fächerkombination: Alle Prüflinge werden in Anatomie, Physiologie und Biochemie geprüft; Psychologie/Soziologie als mündliches Prüfungsfach ist nicht mehr vorgesehen. Auch sind die Prüfungsteile (schriftlich und mündlich-praktisch) nun voneinander getrennt. Wird ein Prüfungsteil nicht bestanden, so muss nur dieser wiederholt werden (wer also mündlich durchfällt, braucht die schriftliche Prüfung nicht zu wiederholen). Eine fünf im schriftlichen Teil kann nun allerdings auch nicht mehr durch eine mündliche eins oder zwei ausgeglichen werden. Wird ein Teil der Prüfung nicht bestanden, so ist er in jedem Fall zu wiederholen.
Klinik: Das zweite Staatsexamen - alles neu macht M2?
Zweites Stex, „Hammerexamen“, M2neu - all diese Bezeichnungen meinen dasselbe, nämlich den zweiten Teil der ärztlichen Prüfung. Und im Gegensatz zum zukünftigen 1. Staatsexamen ändert sich hier deutlich mehr. Das fängt schon bei den Zeitpunkten an: M2neu wird nach dem PJ geschrieben, und zwar immer im März und im Oktober (nicht mehr, wie bisher, im März und August). Der schriftliche Teil findet an drei aufeinander folgenden Tagen mit jeweils fünf Stunden Prüfungsdauer statt; bei 320 Fragen insgesamt bleibt hier mit fast drei Minuten (genau: 168,75 Sekunden) fast doppelt so viel Zeit pro Frage als die bisher üblichen 90 Sekunden. Der neue Gegenstandskatalog GK2, an dessen Inhalt sich die Prüfungen inhaltlich orientieren werden und dessen endgültige Veröffentlichung für das Frühjahr 2006 anvisiert ist, wird wirklich neu sein, denn anders lässt es auch die neue ÄAppO gar nicht zu. Waren bisher die prüfungsrelevanten Themen nach Stoffgebieten (operativ, nichtoperativ...) und Fächern (Innere, Chirurgie...) gegliedert, so wird der neue GK2 eine Gliederung nach Erkrankungen und Gesundheitsstörungen aufweisen, die sich an der International Classification of Diseases (ICD 10) und anderen Datenquellen orientieren wird. In Anbetracht der in die Prüfungen zu integrierenden Fallbeispiele (s.u.) macht dies auch Sinn. Schließlich wird auch ein Patient stets interdisziplinäre Behandlung erfahren, sei es das Röntgenbild, das in der Radiologie befundet wird, die Laborwerte, die von LaborärztInnen befundet werden oder aber der Schnellschnitt, den der Pathologe begutachtet. Hierbei wird es wohl durch die Forderung der neuen ÄAppO, die Examina an praxisrelevanten Inhalten zu orientieren, auch zu einer Gewichtung der im GK2 enthaltenen Erkrankungen und Gesundheitsstörungen kommen. Die Relevanz einer Krankheit wie dem Herzinfarkt mit hoher Prävalenz und Mortalität wird also ausdrücklich anders aufgeführt sein, als eine exotische Krankheit, die kaum jemand in seinem Berufsleben je zu sehen bekommen wird.
Beispielhaft
Im neuen 2. Staatsexamen werden Fallbeispiele integriert werden, und das nicht zu knapp. Diese Forderung steht ebenfalls in der neuen ÄAppO. Jetzt hat das IMPP erstmals konkretisiert: Mehr als 50% der Examensfragen werden Bestandteil von Fallbeispielen mit jeweils 5-20 dazugehörigen Fragen sein, weniger als 50% werden wie bisher auch einfache Fragen ohne Fallbezug sein. Auch die Fallbeispielbezogenen Fragen werden dabei wie bisher als Multiple-Choice-Fragen gestellt. Etwas anderes lässt die Approbationsordnung auch nicht zu. Bisher haben sich zwei Modelle herauskristallisiert, wie Fallbeispiele in die Prüfung integriert werden können. Eine definitive Entscheidung, welches davon letztendlich in den Examina verwendet werden wird, ist noch nicht getroffen, weswegen hier beide kurz vorgestellt werden sollen:
1. Das analytische Fallbeispiel
Die analytischen Fallbeispiele sind sternförmig aufgebaut. Ein bis zu mehrere Seiten langes Dossier stellt den Patienten vor, die Diagnose wird bekannt gegeben und es werden mehrere Problembereiche vorgestellt. Es folgen dann Fragen, die nicht linear aufeinander aufbauen, sondern unabhängig voneinander sind. Folgefehler sind so ausgeschlossen, die Prüfungsorganisation ist deutlich einfacher, als beim linearen Modell. Ein Beispiel: Im Dossier wird ein Patient vorgestellt, der an Myokarditis erkrankt ist; es liegt ein Laborbefund ebenso wie ein Röntgenbild des Thorax bei. Von diesem Dossier und der Diagnose "Myokarditis" ausgehend folgen Fragen aus verschiedenen Fachbereichen, die aber alle für das Krankheitsbild relevant sind - die Pharmakotherapie, die Pathophysiologie, die Histopathologie, Mikrobiologie, Kardiologie...
2. Das lineare Fallbeispiel:
Das lineare (oder auch sequenzielle) Fallbeispiel besteht aus aufeinander aufbauenden Fragen: Ein kurzes Dossier schildert den Fall, weitergehen kann es dann mit Differenzialdiagnostik, Pathologie etc. Problematisch ist hier, dass ein Fehler, der am Anfang des Fallbeispieles gemacht wird, weitere Fehler zur Folge haben kann (zum Beispiel, wenn man die falsche Diagnose gleich am Anfang stellt). Ebenso könnten solche Fallbeispiele "von hinten" gelöst werden. Entscheidet man sich für eine falsche Diagnose und ist später von dieser gar nicht mehr die Rede, so kann man sich leicht denken, dass man hier einen Fehler gemacht hat. Ein Lösungsansatz wäre hier zum Beispiel, die Fallbeispiele in zwei oder mehr Teile aufzutrennen und zum Beispiel die Antwortbelege einzusammeln oder neue Hefte auszuteilen, in denen die Fortsetzung der Fallbeispiele mit einer Auflösung des ersten Teiles beginnt, damit man keine weiteren Folgefehler machen kann. Neben dieser prüfungsorganisatorisch schwer zu realisierenden Art der Prüfung bleibt hier auch die Befürchtung, Fragen als Konsequenz aus einem früh begangenen Fehler zumindest bis zum Beginn der Fallfortsetzung weiterhin falsch zu beantworten. Eine Unabhängigkeit der Fragen voneinander ist nicht gegeben. Dieses Nachteils ist sich auch das IMPP deutlich bewusst, weswegen uns die zweite Variante von Fallbeispielen als die wahrscheinlichere erscheint.
Ausblick
Welches Verfahren letztendlich das Rennen machen wird, entscheidet das IMPP nicht zuletzt aufgrund eines "Test-Examens" mit Studierenden, welches wohl im nächsten Sommer stattfinden wird und beide Modelle anbieten soll. Die Erfahrungen und Ergebnisse werden mitunter ausschlaggebend für die Entscheidung für eines der beiden Modelle sein. Deutlich gemacht wurde auch, dass man keine unüberwindbare Hürde ans Ende des Studiums setzen möchte. Die Durchfallquoten werden ähnlich niedrig erwartet, wie es bereits jetzt im "alten" 2. Staatsexamen der Fall ist (< 5%). Dies legt den Schluss nahe, dass das neue Examen im Hinblick auf die angewachsene Stoffmenge überwiegend praxisrelevante Fragen beinhalten wird. Genau werden wir es aber erst wissen, wenn im Herbst 2006 die ersten KandidatInnen ihr Examen nach dem neuen Modus geschrieben haben. Doch eins steht sicher fest: Das Examen wird nicht so schwer, wie es der Name "Hammerexamen" erwarten läßt, und einen Grund zur Panik vor dem Examen gibt es ebenfalls nicht. Wir werden Euch weiter auf dem Laufenden halten!





