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Nach der Attacke auf den E-Mail-Server der Ruhr-Universität Bochum:
Studierende kritisieren Pläne zur zentralen Speicherung von Prüfungsdaten
alternative liste an der Ruhr-Universität Bochum
Linke Liste an der Ruhr-Universität Bochum
P R E S S E I N F O R M A T I O N
Am Sonntag ist es einem unbekannten Angreifer gelungen, in den zentralen E-Mail-Server der Ruhr-Universität Bochum einzudringen und sich Zugriff auf die dort gespeicherten Passwörter und E-Mails von knapp 40.000 Studierenden und Beschäftigten zu verschaffen. Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass die datenschutzrechtlichen Risiken der zentralen Speicherung von Daten nicht unterschätzt werden dürfen. Linke Liste und alternative liste fordern deswegen die Uni-Verwaltung auf, ihre Pläne zur Einrichtung eines elektronischen Verwaltungssystems von Studien- und Prüfungsdaten aufzugeben.
ÜBERFLÜSSIGES DATENSAMMELN
Mit dem „System zur Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen“ (VSPL) will die Uni ab dem kommenden Wintersemester den Studienverlauf und die einzelnen Studienleistungen aller StudentInnen auf einem zentralen Server speichern. Es sollen sämtliche Noten und alle erfolgreich bzw. nicht erfolgreich besuchten Veranstaltungen protokolliert werden. Zusätzlich erhalten die Studierenden mit dem Programm die Möglichkeit, private Termine, Telefonnummern und E-Mail-Adressen auf dem Server zu verwalten. Zugriff auf das System erhalten Lehrende und Studierende per Internet. „Der Angriff auf den Mailserver der Ruhr-Universität bestätigt unsere Bedenken bezüglich des Datenschutzes“, sagt Mona Beumers von der alternativen liste. Zwar betonen die BefürworterInnen des VSPL-Systems immer wieder, dass die Daten dort technisch besser gesichert seien. Die studentische Kritik setzt aber schon früher an. „Die zentrale Speicherung von sensiblen persönlichen Daten in einem System, das mit dem Internet verbunden ist, stellt auch bei den besten Sicherheitsvorkehrungen immer ein Risiko dar“, so Beumers weiter.
Das Prinzip der Datensparsamkeit und weitere Bedenken
Für besonders problematisch halten die Studierenden, dass das Prinzip der Datensparsamkeit durch das geplante VSPL-System verletzt wird. Dem Grundsatz würde entsprechen, nur die Daten zentral zu sammeln, die für den Uni-Betrieb unbedingt notwendig sind. Neben der alternativen liste und der Linken Liste stehen auch FachschaftsvertreterInnen dem VSPL-System kritisch gegenüber. In den nächsten Tagen soll es erste Stellungnahmen seitens der Fachschaften zur geplanten Datenerhebung geben. Neben dem nicht ausreichenden Datenschutz befürchten die Studierenden, dass die Daten vorwiegend als Kontrollinstrument benutzt werden. So könnten zum Beispiel von wenigen Studierenden besuchte Seminare ausfindig gemacht und in kommenden Semestern gestrichen werden. Auch die Erhebung individualisierter Studiengebühren sei mit dem System viel einfacher durchsetzbar.
„Wir sind auch nur Menschen“
Der Angriff auf den zentralen Mailserver war am Montag durch eine Mitteilung des Rechenzentrums der Ruhr-Universität bekannt geworden. In einem anonymen Brief wurden Rechenzentrum, der Datenschutzbeauftragte und die IT-Sicherheitsbeauftragte der Ruhr-Universität auf ein Sicherheitsloch aufmerksam gemacht. Dieses Sicherheitsloch hat den unberechtigten Zugang zu allen Mailboxen sowie zur Passwortdatei des Servers ermöglicht. Das Rechenzentrum entschuldigt sich in seiner Mitteilung für den Vorfall mit dem Hinweis: „Leider sind aber auch Administratoren, die mehr als 100 Server zu pflegen haben, ‚nur’ Menschen.“ Dazu meint Tobias Bröcker von der Linken Liste: „Eben weil wir alle auch nur Menschen sind, sollte gerade das unnötige Risiko der zentralen Notenverwaltungvermieden werden. Der beste Datenschutz ist, so wenig Daten wie möglich zentral zu sammeln.“
Weitere Informationen:
Hintergrundinfos zum VSPL-System finden Sie in diesem Diskussionspapier
Die Mitteilung des Rechenzentrums der Ruhr-Universität zum Einbruch
Homepage der alternativen liste
Homepage der Linken Liste





