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Endlich exzellent!
Wir sind jetzt Elite und keiner hat‘s gemerkt.
Zwar haben wir schon seit Jahren ein paar coole Assets, die uns international so richtig wettbewerbsfähig machen, wir haben überfüllte Hörsäle, Studiengebühren, demotivierte Dozenten und den Bachelor. Aber etwas hat uns ganz klar gefehlt: Exzellenzcluster. Andere Unis hatten das schon längst und konnten damit angeben. In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative wurde am 12. Januar endlich auch die Ruhr-Uni unter die ersten acht Anwärter auf die neue Elite befördert. Aus lauter Übermut hat der Rektor sogar verwegen ein Gläschen Sekt gezwitschert. Und wir sind alle froh, dass er uns neben seinen vielen anderen wichtigen Projekten, wie etwa der Beseitigung der elitestörenden FUB-Querulanten, noch schnell zur Spitzenuni macht. Weil aus den blöden Studierenden einfach nicht mehr rauszuquetschen ist als 500 Euro im Semester, kämpfen die Unis jetzt vermehrt um Drittmittel. Die Unileitungen hacken sich gegenseitig im Wettbewerb die Augen aus, anstatt wissenschaftlich zusammen zu arbeiten, und kümmern sich um das Fördern einiger weniger Forschungsprojekte. Macht ja auch Sinn, schließlich ist es verdammt schwierig, dauernd am exzellenten Geldtopf der Initiative rumzulungern und gleichzeitig eine vernünftige Volluniversität zu leiten.
Toll, dass wir jetzt die Ruhr-University Research School, das Engineering hybrider Leistungsbündel, Dynamische Wechselwirkungen von Sach- und Dienstleistungen in der Produktion und auch irgendwas mit dem International Postgraduate Center zu tun haben. Wer also morgens auf dem Weg ins Seminar mit 120 Studierenden ist und die Waschbetonplatten unter den Füßen klappern, der kann sich ab sofort fühlen wie in Harvard.
Die Studierenden haben im Allgemeinen gar nicht richtig bemerkt, wie up to date ihre Uni wirklich ist. Dabei tut die Unileitung einiges, um sich euer Vertrauen in den Sinn der neuen Elite zu sichern. Dazu hat sie sich eine echt abgefahrene Jugendsprache voll cooler Anglizismen angeeignet. Wer demnächst die Application Form ausfüllt, um sich als Elite-Doktorand für die „Aufnahme in die School“ zu bewerben, darf vielleicht auch hinterher die Gruppensprecher für die Mitwirkung im „Executive Board der School“ wählen. Im wichtigtuerischen Fremdwortgewitter merken die Studierenden auch hoffentlich nicht so schnell, wie nah die Uni schon an der Grenze zur reinen Arbeitskraftproduktion steht.
Denn wer im lustigen bundesweiten Prestigezirkus eine echte Elitenummer abziehen will, muss der Wirtschaft zeigen, dass seine Uni die besten Chancen auf Profit bietet. Denn dann gibt‘s auch Geld von großen Konzernen. Deshalb kamen in der ersten Exzellenz-Runde fast nur naturwissenschaftliche Projekte weiter.
Übrigens sind wir nur unter Vorbehalt elitär. Endgültig entscheidet sich erst im Oktober, wer wirklich spitze ist. Und falls ihr Normalstudenten das wieder nicht mitbekommt, weil ihr gerade Waschmittelpackungen bei Lidl einsortiert, um Last-Minute die 500 Euro fürs nächste Semester zu verdienen, keine Sorge: Wir sagen euch dann Bescheid. Stellt schonmal den Champagner kalt.





