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Geschlechtergerechte Hochschule
Immer lauter wird der Ruf nach einer geschlechtergerechten Hochschule. Auch an der Ruhr-Universität wird immer mehr Wert auf Chancengleichheit gelegt. So gibt es zum Beispiel einen „Rahmenplan zur Gleichstellung von Frauen und Männern“.
Dieser sieht u. a. die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses und die Förderung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Studium bzw. Beruf vor.
Wenn man sich einmal die Zahlen anschaut, wird deutlich, dass auch die RUB noch weit davon entfernt ist, geschlechtergerecht zu sein. Zwar verteilt sich die Anzahl der StudentInnen ungefähr gleich auf männliche und weibliche Studierende, ebenso wie beim Studienabschluss, danach gibt es allerdings gravierende geschlechtsspezifische Unterschiede, was die weitere akademische Laufbahn betrifft. Nur etwa 40 Prozent der Promotionen und nur gut jede fünfte Habilitation wird von einer Frau erworben. Nicht einmal jede siebte Professur besetzt eine Frau. Bei den C4-Professuren sinkt ihr Anteil sogar unter zehn Prozent. Auch das seit 2002 an der RUB eingeführte Modell der gestuften Studiengänge ist offentsichtlich eine neue Hürde, die von Frauen seltener gemeistert wird als von Männern. Nur 33% der MasterabsolventInnen sind Frauen. Häufig ist bei den gestuften Studiengängen von einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen die Rede, da diese nach dem Bachelor-Abschluss eine „Familienphase“ einlegen und später das Studium im Master wieder aufnehmen könnten. Doch den wenigsten Frauen gelingt nach einer Pause der Weg zurück ins Studium. Auch bei der Fächerwahl der StudienanfängerInnen zeigen sich eindeutig geschlechtsspezifische Präferenzen.
Geschlechtsspezifische Interessensgebiete
In vielen Fächern sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, z.B. in Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik lag ihr Anteil 2004 deutlich unter 20%, wohingegen sie Fächer wie Germanistik, Pädagogik und Anglistik mit über 75% dominieren. Hier ist natürlich nicht nur die Hochschule Schuld, sondern schon viel früher bilden sich die angeblich für Mädchen und Jungen „typischen“ Interessensgebiete, bei Mädchen eher Sprachen und bei Jungen die Naturwissenschaften. Aber diesem Trend kann auch die Hochschule entgegen wirken, indem sie vermehrt Informationsveranstaltungen oder Mentoringprogramme speziell für Mädchen und Frauen in bestimmten Bereichen anbietet, um so Studienfächer vorzustellen und attraktiver zu machen. Zwar ist der Rahmenplan zur Gleichstellung schon ein guter Anfang, aber noch wird leider allzu oft gegen die Gleichstellung gearbeitet. Dies zeigt sich ganz besonders dann, wenn Mittel für die Bereitstellung von Kindergarten- und Kindertagesstättenplätzen gestrichen werden oder gar nicht erst zur Verfügung gestellt werden. Hier sollte eigentlich auch die Hochschule dafür sorgen, solche Angebote bereit zu stellen und zu erhalten. Andernfalls wird studierenden Eltern das Studium oder bestimmte Bereiche ihres Studiums erschwert oder ganz verwehrt. Diese Problematik ergibt sich vor allem bei den gestuften Studiengängen mit Anwesenheitspflicht. Hiervon sind insbesondere alleinerziehende Eltern betroffen, die auf solche Betreungsangebote angewiesen sind.
Gebührenhürde
Auch Studiengebühren sind ein weiterer Faktor, der dazu beitragen könnte, dass geschlechtsspezifische Unterschiede auch weiterhin die Hochschule prägen und Frauen benachteiligen. Es hat sich, anhand anderer Länder, in denen es bereits Studiengebühren gibt, gezeigt, dass mehr Frauen durch die Angst vor Verschuldung davon abgehalten werden, ein Studium zu beginnen. Wie in anderen Ländern, z. B. in Österreich und Australien, wird es in Deutschland nun auch in vielen Bundesländern das Modell der „nachgelagerten“ Studiengebühren geben. Dies bedeutet, dass die Einführung von Studiengebühren mit der Einführung von Kreditmodellen einhergeht, die eine Verschuldung der Studierenden und eine Rückzahlung des Darlehens nach dem Studium vorsehen. Genau hier zeigen sich Probleme, von denen vor allem Frauen betroffen sind. Zum Einen gibt es in der Bundesrepublik noch immer Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern von durchschnittlich 20-25%. Hinzu kommt, dass Frauen überdurchschnittlich oft von Verdienstausfällen wegen Kindererziehung betroffen sind. Diese fallen meistens genau in die Phase, in der die Kredite zurückgezahlt werden müssen. Dadurch steigt die Verschuldung durch die Verzinsung noch weiter an. Prognosen in Australien gehen davon aus, dass ein Drittel der ehemaligen Studentinnen ihre Schulden bis zum Eintritt in das Rentenalter nicht zurückzahlen können.
Schulden bis zur Rente
Dass dies gerade ein geschlechtsspezifisches Problem ist, zeigt sich auch daran, dass diese Schätzungen davon ausgehen, dass Frauen durchschnittlich 34 Jahre länger als ihre männlichen Kommilitonen brauchen, um die Schulden zu tilgen, da sie häufiger als Männer nicht dauerhaft lohnabhängig beschäftigt sind. In Österreich zeigte sich ebenfalls nach der Einführung von Studiengebühren ein deutlicher Rückgang der Anzahl der Studentinnen. Auch in Deutschland ist zu befürchten, dass Frauen, die sowieso viel zu oft noch gegen vorherrschende Rollenvorstellungen zu kämpfen haben, gerade durch Studiengebühren vom Studium abgehalten werden. Wenn sich eine Hochschule gegen geschlechtsspezifische Unterschiede und für die Gleichberechtigung einsetzen will, darf sie keine Studiengebühren einführen, die noch zusätzlich Frauen im Studium benachteiligen. Gerade wenn es keine Angebote gibt diese Benachteiligung aufzufangen, ist das Label der geschlechtergerechten Hochschule nur eines, das die Außenwirkung der Hochschule verbessern soll und sich nicht wirklich mit den Auswirkungen für Frauen auseinandersetzt. Die al tritt für eine geschlechtergerechte Hochschule ein, die sich gegen jegliche Benachteiligung von Frauen und konsequent für Geichberechtigung einsetzt.





